Kindergeschichte

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Emily hat ein Geheimversteck. Es ist unter dem Puppenbett. In dem Versteck ist etwas ganz Besonderes. Nein, nichts für Emily. Es ist ein Geschenk für ihre Mama. Die hat nämlich morgen Geburtstag. Und Emily will ihr eine ganz große Freude machen. Sie wird ihr ein Marienkäfer-Portemonnaie schenken. Es ist rot mit schwarzen Punkten.

Emily läuft in die Küche. Wölkchen, ihr kleiner Pudel, freut sich und winselt. Emily streichelt ihn. Dann sucht sie im Küchenschrank nach dem schönen Geschenkpapier mit den Schmetterlingen. Ach, da ist es ja. So, jetzt kann sie das Geschenk einpacken. Sie geht zurück zu ihrem Zimmer. Aber o nein, sie hat die Tür aufgelassen. Da kommt ihr auch schon Wölkchen entgegen.

Was liegt denn dort mitten im Zimmer auf dem Fußboden? O nein, das gibt es doch nicht. Das Marienkäfer-Portemonnaie ist ganz nass. Wölkchen hat darauf herumgekaut. Jetzt ist es ein bisschen kaputt und außerdem sieht man die Abdrücke von Wölkchens Zähnen. Emily verzieht das Gesicht. „Wölkchen!" schreit sie. „Was hast du gemacht? Du bist ein böser Hund."

Wölkchen zieht den Schwanz ein, legt sich auf den Boden und schaut Emily von unten her ängstlich an. Emily setzt sich auf ihr Bett und weint. Sie weint nicht nur. Sie schreit. Und sie trampelt mit den Füßen auf den Boden. So ärgerlich ist sie. Dieser böse Hund.

„Emily, was ist denn? Was hast du?" Emily hält Mama das Portemonnaie vor die Augen. „Das... das wollte ich dir zum Geburtstag schenken. Und jetzt ist es kaputt und Wölkchen ist schuld." Mama nimmt Emily in den Arm. „Ach, Schatz, wie lieb von dir. So ein schönes Portemonnaie." „Aber, Mama, jetzt kannst du es nicht mehr gebrauchen, es ist kaputt." „Du, Emily", sagt Mama in einem ganz lieben Ton. „Ich sehe ein Geschenk, das ist wunderschön und etwas ganz Besonderes." „Quatsch, Mama, guck doch, das Portemonnaie ist überhaupt nicht schön", entgegnet Emily schluchzend. Mama schaut ihre Tochter an. „Ich meine nicht das Marienkäfer Portemonnaie, Emily. Ich meine dich. Ich hab dich ganz doll lieb. Du bist mein wunderbares und kostbares Geschenk."

Emilys Tränen hören plötzlich auf. Sie lehnt ihren Kopf an Mamas Schulter. So lieb hat Mama sie? Das ist irgendwie schön. Mama nimmt Emily fest in den Arm. „Als du geboren wurdest, da wusste ich: Heute bekommen Papa und ich ein wunderbares Geschenk von Gott. Gott hat dich gemacht. Und er liebt dich mit seiner ganz besonderen Liebe." Sie lächelt Emily an. „Es ist schön, ein lebendiges Geschenk zu bekommen, weißt du das? Du bist so wertvoll. Egal, was passiert, ich werde ich immer lieb haben. Auch wenn du mal frech bist oder dir etwas nicht gelingt. Und Jesus, Gottes Sohn, liebt uns beide. Wenn wir was falsch machen, entschuldigt er das gern, wenn wir darum bitten. Er versteht uns und ist immer für uns da."

Emily wird es ganz warm innen drin. So viel Liebe ist schön. Und da fällt ihr etwas ein. Ob Wölkchen noch traurig ist? „Wölkchen! Wölkchen, wo bist du?" Ach, der Hund hat sich hinter der Tür versteckt. „Komm mal her", sagt Emily und streichelt ihn. „Ist schon gut, Wölkchen, ich hab dich trotzdem lieb. Aber mach das nicht noch mal, ja?" Wölkchen bellt und schaut Emily an.

(von Bärbel Löffel-Schröder)
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags SCM Brockhaus

 

Hier zum Ausdrucken:
Wie-lieb-hast-du-mich-MamaI.pdf




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