Der Besuch.

Neulich im Büro. Wie zufällig stoße ich auf die Herrnhuter Losungen auf meinem Bildschirm. Ach, wer hat die denn installiert? Ein Klick, und ich lese:
„Info zum Tag: 13. August 1727: Abendmahlsfeier in der Kirche zu Berthelsdorf. Zusammenschluss der Einwohner Herrnhuts zur Brüdergemeine durch den Geist Gottes“.

Bildschirm Herrnhut

Meine Gedanken schweifen zurück ... es ist gerade mal 3 Wochen her, seit wir bei brütender Hitze den kleinen Aussichtsturm auf dem Gottesacker in Herrnhut bestiegen haben. Unter uns die Gräber unzähliger Männer und Frauen Gottes der Brüdergemeine, deren Namen und Herkunft auf schlichten Grabsteinen benannt werden.

Gottesacker

Ehrfürchtig schauen wir auf die umliegenden Dörfer Herrnhut und Berthelsdorf, die so reich an geistlicher Geschichte sind - umgeben von der Wolke von Zeugen, die eine der größten Missions- und Gebetsbewegungen unseres Landes hervorbrachten. Und die begann genau an diesem denkwürdigen Abend im August vor fast 300 Jahren …

 

Das Erbe.

Deshalb sind wir – ein guter Teil des Gebetsberg-Teams angereist. Mit dieser Missions- und Gebetsbewegung hat die Herrnhuter Brüdergemeine uns ein Erbe in Deutschland hinterlassen, das wir antreten wollen.

grundsteinlegung

Vor Jahren, beim Bau des Gebetshauses haben wir das schon zum Ausdruck gebracht, als wir Steine aus Herrnhut mit in das Fundament gelegt haben: Aus Deutschland soll wieder eine Missionsbewegung kommen, die eine reiche Ernte weltweit einbringt. Getragen und freigesetzt durch das beständige Gebet von königlichen Priestern, die für die Völker dieser Erde vor Gott stehen: „Wie im Himmel, so auf der Erde“.

 

Die Überraschung.

Wie kam es denn eigentlich zu dieser Bewegung des Gebetes, die über 100 Jahre anhielt und wie konnte eine relativ kleine Gemeinschaft von ehemaligen Flüchtlingen einen so gewaltigen Strom von Missionaren auf 5 Kontinente senden? Wir sind neugierig und während wir uns im Schatten einiger Bäume mit der Geschichte dieser bemerkenswerten Gemeinschaft beschäftigen, kommt die große Überraschung: An dieser denkwürdigen Abendmahlsfeier wirkt der Heilige Geist in einer Gruppe von Menschen, die es fünf Jahre lang nicht geschafft hatten, zueinander zu finden. Seit ihrer Ansiedlung auf den Ländereien des Grafen Zinzendorf lebten sie in Uneinigkeit, Unfrieden und Zwistigkeiten nebeneinander her. Bis zu diesem Tag des 13. August 1727 – als einige der Brüder begannen, sich auszusöhnen und einander zu vergeben.

Herrnhut Gebetsraum

Die Abendmahlsfeier begann schließlich viel später als geplant, weil die Versöhnung sich in der ganzen Versammlung ausbreitete.
Von diesem Tag an beteten sie im Stundenrhythmus zu zweit, 24 Stunden am Tag – und das über 100 Jahre lang! Spontan meldeten sich kurze Zeit später fast 30 Brüder auf den ersten Aufruf Zinzendorfs, selber hinzugehen und das Evangelium den Völkern zu bringen, für deren Errettung sie von Anfang an beteten!

Wir sind tief berührt. Keine großartige Geschichte, die die Herrnhuter in ihren ersten 5 Jahren vorzuweisen hatten! Kein klassischer Ort, den man sich für so eine Erweckung aussuchen würde … Doch Buße, Versöhnung und schließlich gelebte Einheit haben den Boden bereitet.
Wir möchten die Frucht sehen, sind wir auch bereit, den Boden dafür zu bereiten? Leben wir in der Umkehr zu Gott, versöhnlich und in Einheit mit den Geschwistern?

Erbe empfangen

Auf dem Turm inmitten dieser alten Zeugen, die es uns vorgemacht haben, vollziehen wir in persönlichen Gebeten diese Hingabe an Gott zu Versöhnung und gelebter Bruderliebe, verbunden mit der Bitte: »Come, do it again! Lass unser Land wieder ein Land werden, das sich hingibt, das Evangelium den Völkern und Nationen dieser Welt zu bringen und das nicht mehr aufhört, dafür zu beten!«

Anita Reiff

     
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